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Georg Simmel (1858-1918)
Der Berliner Philosoph und Soziologe Georg Simmel (1858-1918) war seinerzeit ein Zentrum der geistigen Elite in Deutschland. Nach seinem Tode geriet er etwas in Vergessenheit, um gegen Ende der 1980er Jahre wieder eine Renaissance zu erfahren.
Simmels Hauptwerk lautet Philosophie des Geldes. Es erschien im Jahre 1900 und spürt unter dem besonderen Eindruck des Berliner Großstadtlebens dem heraufziehenden neurotischen oder sogenannten „nervösen Zeitalter“ sowie seiner Ursache, der ausgeprägten Geldwirtschaft, nach. Das Geld verspricht Glück, löst es aber letztlich nicht ein, womit das Verlangen nach dem Glück im Gelde aber nur noch größer und gleichzeitig noch weniger einlösbar wird – die Nervosität nimmt zu.
Ein anderer wichtiger Aspekt aus der Philosophie des Geldes ist die geldwirtschaftliche Arbeitsteilung, die eine enorme objektive Kulturleistung mit sich bringt, und hinter der der Mensch zurück bleibt. Der Mensch muß sich, um sich zu kultivieren, eine objektive Kultur (aus Wissenschaft, Technik, Kunst und Religion) schaffen und sich diese aneignen, was angesichts der Eigendynamik der objektiven Kulturleistungen aber immer unerreichbarer wird. Allein die Bücherberge wachsen schneller, als man sie erklimmen kann.
Diese tragische Diskrepanz – Simmel spricht später von einer Tragödie der Kultur -, besteht aus dem Gefälle zwischen dem objektiven Herstellungsvermögen einerseits und dem subjektiven Vorstellungs- und Verantwortungsvermögen andererseits.
Simmel hat seine nachhaltigste Wirkung in der wissenschaftlichen Disziplin Soziologie erfahren. Dabei empfand er sein zweites Hauptwerk Soziologie (1908) sowie die Mitbegründung der Deutschen Gesellschaft für Soziologie (1909) als "Last und Pflicht". Die fünf letzten Einzelveröffentlichungen Simmels, die der Band 16 der Georg-Simmel-Gesamtausgabe in sich vereint, kennzeichnen die Distanz gegenüber einer sich verselbständigenden wissenschaftlichen Kultur. Daß er aber weiterhin an der Soziologie interessiert war, macht die Veröffentlichung der Grundfragen der Soziologie (1917) deutlich. Darin stellt er seine Entwürfe von Soziologie, auch der philosophischen, die für den späteren Simmel charakteristisch ist, vor. (V. Kempf)
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