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Ein Leben für die Freiheit: Julius Leber (1981-1945)
Julius Leber wurde am 16. November 1891 in Biesheim geboren, besuchte in Breisach die Höhere Bürgerschule und machte bei der Tapetenfabrik Erismann eine kaufmännische Ausbildung. Er erlangte 1912 in Freiburg das Abitur und wurde noch als Schüler Mitglied der SPD. Es folgte ein Studium der Nationalökonomie und Geschichte in Straßburg und Freiburg. Er schloß sich anfangs einem katholischen Studentenverein an. Als der I. Weltkrieg ausbrach, meldete sich Leber freiwillig zum Kriegsdienst und wurde Offizier. Nach dem Krieg diente Leber zunächst als Soldat zur Grenzsicherung im Osten. Er führte sein Studium fort und wurde an der Universität Freiburg zum Dr. rer. pol. promoviert. Politisch entwickelte sich Leber in der Weimarer Republik vom marxistischen zum reformerischen Flügel der SPD. Er wurde Lübecker Bürgerschafts- und Reichstagsabgeordneter.
Nach dem Krieg waren die Bürger ohne Zuversicht. Mit Hitler sollte Deutschland aufgerichtet und von der „Schmach von Versailles“ befreit werden, so die weit verbreitete Hoffnung. Leber teilte diese Hoffnung nicht. Drei Wochen nach der Machtübernahme Hitlers nahm Julius Leber am 19. Februar 1933 an einer großen Versammlung teil, auf der er das Wort „Freiheit“ ausrief. Dieses Wort meint mit Kant „die Unabhängigkeit von eines anderen nötigender Willkür“. Trotz seiner Wiederwahl zum Reichstagsabgeordneten wurde Leber zu 20 Monaten Haft verurteilt und bis 1937 in den Lagern Papenburg und Sachsenhausen interniert. Die Nationalsozialisten wähnten sich auf der Höhe ihrer Macht und damit sicher genug, Leber aus der Gefangenschaft zu entlassen.
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1943 hatten Julius Leber und andere Verschwörer nach Erkundigungen unter Industriearbeitern den Eindruck gewonnen, dass der Führer-Mythos weiter wirkte, nicht zuletzt durch die Schrecken des Bombenkrieges. Hitler würde schon wieder eine Lösung finden, nur er, kein anderer könne das, glaubten viele. Wie würde in solch einer Situation ein Attentat auf Hitler aufgenommen werden? Würde das viel bringen?
Studiert man die Literatur zum „20. Juli 1944“, so sticht Julius Leber hier als einer der „tatentschlossensten Figuren des deutschen Widerstandes“ (Joachim Fest) hervor, der auf den 16 Jahre jüngeren Graf von Stauffenberg einen großen Eindruck machte. Stauffenberg, der militärisch-konservativen Widerstandskreisen angehörte, erkannte die sozialdemokratischen Rettungsversuche der Weimarer Republik an. Er hätte Leber für den Fall eines erfolgreichen Staatsstreiches gerne als Kanzler oder Innenminister einer Übergangsregierung gesehen. Ende Juni 1944 wurde Leber ein Treffen mit Kommunisten zum Verhängnis, auf dem ein Spitzel zugegen war. Er wurde verhaftet, noch ehe es zum Attentat kam. Stauffenberg brauchte den erfahrenen, von ideologischer Beengtheit freien Sozialdemokraten und wollte ihn befreien. Doch der Staatsstreich misslang. Vor seiner Hinrichtung am 5. Januar 1945 mußte sich Leber dem Volksgerichtshof stellen, vor dem der Einzelne keine Rechte mehr hatte.
Leber zweifelte nicht, dass für die Freiheitsrechte der Einsatz des eigenen Lebens ein angemessener Preis sei. Heute bilden diese Rechte den Kernsatz der Verfassung der Bundesrepublik Deutschland. Kein Kampf für ein Volksganzes, für dies oder das kann das relativieren, nach der Devise, „für eine ‚gute’ Sache sollte man das nicht so genau nehmen“. Eine geschriebene Verfassung hat aber nur Bestand, wenn sie auch gelebt wird. „Jeder muss die Rechte der anderen respektieren“, lautet ein pädagogischer Hinweis in Schulklassen der Julius-Leber-Schule. Schließlich will jeder, dass auch seine Rechte geachtet werden. Dieses Prinzip der Gegenseitigkeit will früh eingeübt und später vorgelebt werden. Es bedeutet Verlässlichkeit und stellt Planungen auf den sicheren Grund der Dauer. Mut zum Widerspruch, wo dieses Prinzip verletzt wird, ist wichtig. Transparenz in Entscheidungsprozessen bleibt eine wichtige Voraussetzung für den mündigen Bürger.
Was Freiheit heute bedeutet und voraussetzt, darüber ließe sich vieles mehr sagen. Fest steht, Julius Leber regt auch 120 Jahre nach seiner Geburt zum Nachdenken über dieses wichtige Thema an. In Zeiten, in denen große Vorbilder und eine geistige Orientierung rar sind, kann Julius Leber als Namenspatron einer Schule in Breisach nur als Glücksfall und hoher Anspruch zugleich gesehen werden.
Es verstand sich Leber übrigens als Elsässer, bewahrte sich seinen Dialekt und blieb seinen Wurzeln treu. Er besuchte jährlich seine Mutter in Biesheim. Leber war auch Anhänger der elsässischen Autonomiebewegung. Das Schicksal dieser Bewegung mit ansehen zu müssen, wie sie auch nach dem Krieg im Elsass in eine Zeit der Unterdrückung geriet, blieb Leber erspart und wäre aufgrund der weitgehenden Nichtbeachtung ein eigenes Thema wert.
(Volker Kempf, Breisach aktuell, 16.11.2011)
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